Ein B2B-Shop ist kein „B2C-Shop mit Login". Geschäftskunden haben andere Erwartungen, andere Workflows und andere rechtliche Rahmenbedingungen. Wer sie mit einem ungefilterten Endkunden-Shop konfrontiert, verliert sie an spezialisierte Wettbewerber.
Hier sind die Bausteine, die einen Shopware-Shop wirklich B2B-tauglich machen.
1. Brutto oder Netto — das ist die Frage
B2C-Kunden sehen Bruttopreise. Geschäftskunden rechnen netto. Klassisches Problem in gemischten Shops: Welche Preise sieht wer? Die saubere Lösung ist ein Frontend-Toggle, das Kunden selbst umschalten können — abhängig von ihrer Kundengruppe und ihrer Rolle.
2. USt-ID-Validierung — Pflicht, kein Nice-to-Have
Innergemeinschaftliche Lieferungen erfordern eine gültige USt-ID. Wer das nur per Texteingabe abfragt, riskiert falsche Daten und im Zweifel Steuer-Nachzahlungen. Eine Live-Validierung gegen das EU-VIES-System (oder britische/Schweizer Pendants) ist Standard im modernen B2B-Shop.
3. Kundengruppen-Preise sind nur der Anfang
Standard-Shopware kann Preise pro Kundengruppe anzeigen. Was meist fehlt: die Kombination aus Kundengruppe und Kategorie. „Großhändler bekommen 15 % auf Schrauben, aber nur 5 % auf Werkzeug" — das ist der echte Anwendungsfall im B2B.
4. Staffelpreise und Mengenrabatte sichtbar machen
Bei größeren Mengen sollten Kunden direkt sehen, ab welcher Menge sie weniger zahlen. Ein Mengen-Dropdown mit Live-Preisberechnung macht Staffelpreise transparent und reduziert Rückfragen drastisch.
5. Treuebonus für Stammkunden
B2B lebt von Stammkunden. Ein automatischer Bonus, der ohne Verhandlung auf Basis der Umsatz-Historie gewährt wird, ist ein verlässlicher Bindungs-Hebel — und entlastet den Vertrieb von wiederkehrenden Rabatt-Diskussionen.
6. Zahlungsarten differenziert handhaben
B2B-Kunden zahlen anders. Rechnung mit 14 Tagen Zahlungsziel ist Standard, aber mit Risiko. Vorkasse-Rabatte, Skonto bei schneller Zahlung oder Gebühren auf bestimmte Zahlungsarten sind gängige Werkzeuge — und müssen ohne Workaround im Shop abbildbar sein.
7. Versand-Kommunikation passt im B2B nicht 1:1
Geschäftskunden bestellen oft mehrere Artikel über Tage gestaffelt. Statt drei einzelner Versand-Stati ist eine Sammel-Lieferzeit mit transparenter Kommunikation hilfreich. Plus: Urlaubsmodus für Phasen, in denen Versand pausiert — ohne dass Bestellungen blind angenommen werden.
Was Shopware-Standard nicht kann (und was Custom-Code erfordert)
- Echte Bestellfreigabe-Workflows: Wenn ein Einkäufer Bestellungen vorschlägt und ein Vorgesetzter freigibt — das ist die B2B-Suite, nicht der Standard.
- Komplexe Genehmigungslogik nach Bestellwert: Ab 5.000 € braucht es CFO-Freigabe — Custom-Workflow nötig.
- Eigene Bestellnummer-Mapping (Kundenartikelnummern): Das ERP des Kunden hat andere Nummern — eine Cross-Reference-Tabelle pro Kundengruppe ist Custom-Arbeit.
- EDI-Schnittstellen: Bestellungen via OpenTRANS, IDOC oder ähnlichem — ist eine eigene Disziplin.
Wie ein realistischer B2B-Roadmap aussieht
- Phase 1 — Pflicht: Kundengruppen, Brutto/Netto-Toggle, USt-ID-Validierung, kundengruppenspezifische Preise
- Phase 2 — Komfort: Mengen-Staffeln, Treuebonus, Zahlungsart-Logik, Sammel-Lieferzeit
- Phase 3 — Differenzierung: B2B-Suite, Bestellfreigaben, EDI-Anbindung, Custom-Reports
Phase 1 lässt sich mit fertigen Plugins und sauberer Konfiguration in wenigen Wochen umsetzen. Phase 2 dauert je nach Komplexität ein bis drei Monate. Phase 3 ist ein eigenes Projekt.
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