„Headless" ist seit Jahren ein Buzzword im E-Commerce. Bei Shopware 6 ist das Setup so ausgereift, dass es als ernsthafte Option dasteht. Aber: Headless ist nicht für jeden Shop die richtige Wahl. Ein nüchterner Blick — wann es Sinn macht und wann nicht.
Was Headless eigentlich heißt
Klassische Shopware-Setups rendern HTML serverseitig (Twig + SCSS, „Storefront"). Bei einem Headless-Setup wird Shopware nur noch als Content- und Logik-Backend verwendet. Das Frontend ist eine separate Anwendung — meist Next.js, Nuxt oder SvelteKit — die per Store API mit Shopware spricht.
Sie bekommen damit eine klare Trennung: Backend kümmert sich um Produkte, Bestellungen, Kunden, Preise. Frontend kümmert sich um UX, Performance und visuelles Erlebnis.
Architektur in der Praxis
Ein typisches Setup sieht so aus:
- Shopware 6 als Headless-Backend, idealerweise auf einer eigenen Domain (z. B.
api.shop.de) - Next.js als Frontend mit App Router, ISR (Incremental Static Regeneration) für Produktseiten
- Store API für Produktabruf, Warenkorb, Checkout, Login
- Webhook-basierte Cache-Invalidierung, wenn Produkte oder Preise sich ändern
- CDN davor (Vercel, Cloudflare) für statische und ISR-Inhalte
Stripe oder PayPal werden direkt im Frontend angebunden. Komplexere Bezahlflows können weiter über Shopware laufen — Hybrid-Setups sind explizit erlaubt.
Wann Headless wirklich Sinn macht
- Performance ist kritisch: Hochfrequente Shops, mobile Käufer, Märkte mit langsamerer Infrastruktur — eine statisch generierte Frontseite mit ISR schlägt jedes klassische Storefront.
- Mehrere Frontends teilen sich ein Backend: Web-Shop, App, Marktplatz-Anbindungen, In-Store-Terminals. Hier zahlt sich die API-First-Architektur direkt aus.
- Komplexe UX-Anforderungen: Konfigurator-Logik, AR-Produkt-Previews, sehr individuelle Storytelling-Seiten. Was im Storefront-Theme aufwendig wird, ist in React natürlich.
- Eigenes Design-System ist Pflicht: Wenn Sie bereits ein Component-System (Storybook, Figma-Tokens) haben, ist Next.js der natürliche Partner.
Wann das klassische Storefront besser ist
- Standard-Shops bis ~10k Bestellungen/Monat, bei denen das Standard-Theme reicht
- Kleines Team ohne JavaScript-Spezialwissen — Headless verdoppelt den Pflegeaufwand
- Viel Plugin-Logik im Frontend: Plugins, die ins Storefront eingreifen, müssen für Headless oft neu gedacht werden
- Knappes Budget: Headless verdoppelt den Initial-Aufwand. Das muss sich rechnen
Konkrete Zahlen — was kostet Headless?
Ein Standard-Shopware-Theme kostet als Custom-Entwicklung typischerweise 15.000-40.000 €. Ein Headless-Setup mit Next.js liegt eher bei 35.000-90.000 € — abhängig von Komplexität, Anzahl der Shopkanäle und Integrationen.
Im Betrieb liegt der Mehraufwand bei etwa 20-40 % gegenüber einem klassischen Setup, weil zwei Codebasen gepflegt werden müssen. Dafür sind Performance, Time-to-Market neuer Frontend-Features und die Skalierbarkeit deutlich besser.
Mein Rat
Headless ist kein Selbstzweck. Es lohnt sich, wenn entweder die Performance, die Multi-Channel-Strategie oder ein anspruchsvolles UX-Konzept es klar erfordert. Für 70 % der KMU-Shops bleibt das klassische Storefront die wirtschaftlichere und wartungsärmere Wahl.
Bevor Sie sich entscheiden: einmal mit einem erfahrenen Entwickler über die konkreten Anforderungen sprechen. Die Antwort fällt häufig anders aus, als erwartet — in beide Richtungen.
Headless evaluieren?
Ich helfe einzuschätzen, ob ein Headless-Setup für Ihre Anforderungen wirklich der richtige Weg ist.
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